Niedrigster kollektivvertrag österreich

Ein weiteres wichtiges Element des österreichischen Systems ist die Existenz gesetzlicher Organe, sogenannter Kammern, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, deren Mitgliedschaft obligatorisch ist. Dies sind die Österreichischen Arbeiterkammern (AK) und die Wirtschaftskammern Österreichs (WKO) für private Arbeitgeber. Es gibt auch eine Kammer für Landwirtschaft (LK). Die Arbeiterkammern bieten eine Reihe von Unterstützungsdiensten für Arbeitnehmer an, obwohl sie nicht an Tarifverhandlungen beteiligt sind. Die Wirtschaftskammern hingegen haben eine zentrale Verhandlungsrolle (siehe unten) Entsprechend der ähnlichen Entwicklung in anderen EU-Ländern wirkte sich der marktgetriebene Druck auf die Dezentralisierung der Lohnbildung auch auf die Lohnverhandlungen in Österreich aus. Die Reaktion der Verhandlungspartner auf diese Dynamik kann als “organisierte Dezentralisierung” bezeichnet werden, bei der allgemeine Verfahrensvorschriften auf makroökonomischer (nationaler) und sektoraler Ebene festgelegt werden und einige genau umrissene Fragen von den Verhandlungsparteien auf Unternehmens- oder Betriebsebene geregelt werden. Um den Forderungen nach mehr Flexibilität gerecht zu werden, wurden daher die Kompetenzen der Verhandlungsakteure auf niedrigerer Ebene erweitert (flexible Lohnsysteme, finanzielle Beteiligungssysteme, Boni usw.). Das Lohnbildungssystem in der Privatwirtschaft basiert auf Tarifverhandlungen. Dieser Grundsatz ist im Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG) verankert.

Im Gegensatz dazu ist der öffentliche Sektor von formellen Verhandlungen ausgeschlossen, aber es finden Verhandlungen zwischen Gewerkschaften des öffentlichen Sektors und Regierungsvertretern statt, wobei das Parlament schließlich die Beschäftigungsbedingungen festlegt – einschließlich der Bezahlung. Das österreichische Lohnfestsetzungssystem orientiert sich an einer Reihe makroökonomischer Faktoren wie Produktivität, Inflationsrate, BSP-Wachstum, Produktion von Industriegütern, Arbeitslosenquote, Beschäftigung, Exporte usw. Die österreichischen Gewerkschaften haben diese Forderungen entschieden zurückgewiesen. Das Argument der Gewerkschaften ist, dass eine solche Änderung der österreichischen Tarifverhandlungskriterien mittelfristig zu erheblichen Einkommenseinbußen für die Arbeitnehmer führen dürfte. Auch wenn die Gewerkschaften im Allgemeinen leistungsbezogene Boni schätzen, die von einzelnen Unternehmen zusätzlich zu den tariflichen Lohnerhöhungen gezahlt werden, lehnen sie eine Verwässerung des bestehenden Tarifsystems auf Branchenebene strikt ab. Die Gewerkschaften argumentieren, dass jeder Lohn, der mit der Leistung des jeweiligen Unternehmens zusammenhängt, einen einzigen Bonus nur für ein Jahr bedeutet, ohne dauerhafte Auswirkungen auf nachfolgende Verhandlungsrunden. Im Gegensatz dazu wirken sich tarifliche Lohnerhöhungen nachhaltig auf die künftigen Löhne aus, da die Lohnerhöhung des Folgejahres die höheren Verdienste des Vorjahres aufstocken wird. Daher ist ein vorgeschlagener Lohnmechanismus, der nur an die Inflationsrate angepasst würde, aber das Produktivitätswachstum nicht berücksichtigt würde, für die organisierte Arbeit keineswegs akzeptabel. Hauptakteure in der Privatwirtschaft sind die verschiedenen Gewerkschaften unter dem Dach des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) auf Arbeitnehmerseite und die sektoralen Untereinheiten der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) auf Arbeitgeberseite.